Warteschlange an der Kasse

Momentan komm ich leider nicht dazu die neusten Geschehnisse zu beschreiben. Es ist zu viel los und ich bin voll beschäftigt. Deshalb hier eine alte mail von den Philippinen.
Schon sehr bald wird es wieder tropische Temperaturen geben in meinem Leben. Sdamerika…ich freu mich schon auf Dich.

Hier aber jetzt erstmal aus den Philippinen.

Du wachst auf, Du schwitzt. Blind schaltest Du den Ventilator ein, Stufe 2, Du fühlst Dich besser. Du popelst Dir die Oropax aus den Ohren und bist plötzlich in einer Welt voll Geräusche.

Du fährst Dir mit der Hand über dein verschwitztes Gesicht, ein Moped fährt vorbei, Du weisst es weil Du das Motorengeräusch hörst.

Du greifst neben dein Kopfkissen, ertastest Deine Brille setzt sie auf und erinnerst Dich an den Traum von letzter Nacht.

Du suchst nach der Uhr, es ist 14 Uhr. Du suchst nach dem Buch in dem Du vor 3 Tagen das letzte mal gelesen hast. Du liest, die Zeit vergeht, Dir wird warm, Du drehst Dich von einer Seite auf die andere beim lesen. Vögel zwitschern in den Bäumen vor deinem Fenster. Die Fenster stehen offen, nur ein Moskitonetz und die Gardinen trennen Dich von der Leiter die auf’s Nachbardach führt.

Du wirst langsam hungrig. Du liest das Kapitel zu Ende und stehst auf. Du legst das Buch neben dein Kopfkissen, gehst zur Toilette, gehst in die Küche. Eine kleine Eidechse rennt über den Tisch, hält an, versteckt sich hinter der Wasserflasche die auf dem Tisch steht, rennt weiter. Das Fenster steht offen, Geräusche von der Strasse kommen herauf. Du hörst Kinder rufen, sie spielen, Du verstehst ihre Sprache nicht. Ein Telefon klingelt, ein weiteres Moped fährt vorbei. Menschen arbeiten, gehen ihrem Job nach, fegen die Strasse, denken ihre Gedanken.

Du holst eine Schüssel aus der Küche, gehst zum Regal und nimmst die Haferflocken und das Kakaopulver, stellst beides auf den Tisch. Das Kakaopulver war umgefallen, ein paar Krümel liegen auf dem Boden, eine Horde Ameisen hat sich darum geschart, sie feiern ein Zuckerfest. Durch das offene Fenster hörst Du den Gesang aus der Moschee in der Nachbarschaft. Du findest diesen Gesang beruhigend, angenehm, er ist Dir sehr vertraut. Du lächelst, erinnerst Dich an die Zeit in der Dir der Gesang aus Moscheen den Schlaf geraubt hat. Du schaust aus dem Fenster, drei kleine Jungs spielen auf der Strasse, sie sind barfuß und spielen am staubigen Strassenrand mit Murmeln. Du lehnst Dich auf’s Fensterbrett, so wie das Deine Nachbarin von gegenüber immer getan hat, in der kleinen Strasse deiner Heimatstadt, Du schaust die Strasse entlang, siehst jemanden mit einem Sonnenschirm, nicht weit entfernt glitzert das Meer in der Nachmitagssonne. Eine Brise weht Dir eine Haarsträhne um die Nase.

Du gehst zum Kühlschrank, öffnet die Tuer und nimmst die Milch heraus die Du gestern gekauft hast. Der Kühlschrank ist voll, doch nichts davon gehört Dir, Du kennst nicht einmal die Namen der Personen die noch hier wohnen, Du erkennst nur deine Milchpackung weil Du sie an den Platz gestellt hast wo sie heute noch immer steht.

Du isst gedankenverloren Haferflocken mit kalter Milch und Kakaopulver. Du stützt deinen Kopf auf deine Hand, schaust im Raum herum, siehst ein Bild, deine Gedanken schwenken um, schweifen in eine andere Richtung. Deine Hand schläft ein. Du bringst die leere Schüssel in die Küche und spülst sie aus. Im Waschbecken türmen sich Tassen und Besteck. Du spülst es ab. Das Spülmittel heist „Joy“ – Freude… Du empfindest keine Freude beim spülen, stattdessen wunderst Du Dich in wessen Mund der Löffel, den Du gerade spülst welches Essen transportiert hat. Du weisst nicht wer das Geschirr benutzt hat. Eine Tasse hat den Aufdruck „Unicef“ Du fragst Dich wie die Tasse hierher gekommen ist, fragst Dich ob Unicef jades Jahr einen neuen Aufdruck für ihre Tassen entwirft. Du hast nichts von diesem Geschirr benutzt außer einer Schüssel und einem Löffel, Du spülst es einfach ab.

Du gehst die Treppe hinauf zur Dachterrasse, es gibt keine Tür. Du stehst direkt in der heissen Nachmittags Sonne. Du nimmst deine trockene Wäsche von der Leine, hängst die billigen unterschiedlich bunten Plastik Kleiderbuegel an die Seite, schlurfst mit deinen Flip Flops über die Terrasse, schaust auf’s Meer. Ein paar kleine Boote flitzten darüber, das Wasser schlägt Wellen und die Sonnenstrahlen tanzen darauf.

Flap Flap Flap, du schlurfst zurück zur Treppe, die Stufen hinunter zur Küche.

Du stellst die Milch zurück in den Kühlschrank, gehst zu deinem Zimmer, die Tuer ist verschlossen, Du hast keinen Schlüssel in der Tasche deiner kurzen Hosen. Du kratzt Dir den Arm, die vielen Mückenstiche überall auf deinem Körper verteilt scheinen grell in kleinen roten Punkten, Du versuchst sie zu ignorieren.

Du gehst die Treppe hinunter zur Rezeption. Ein kleiner Junge sitzt auf dem Boden, Du winkst, er winkt zurück. Die Rezeptionsdame kommt um die Ecke, lächelnd, ein Stück Kuchen essend. Du sagst Deine Zimmertür ist verschlossen und der Schlüssel liegt in dem Zimmer auf deinem Bett. Sie lacht und sucht nach dem zweitschlüssel. Sie schließt Dein Zimmer auf, Du bedankst Dich und gehst hinein.

Du putzt Dir die Zähne und schaltest den Ventilator höher, Stufe 3. Du nimmst Deinen Computer, gehst zu Dem kleinen Tisch über dem ein Spiegel hängt, schiebst die Bücher, die Sonnencreme, den MP3 Player und deinen Reisepass zur Seite, setzt Dich auf den Stuhl, deine Augen sind auf der selben Höhe wie die Tastatur. Du nimmst die beiden Kopfkissen von deinem Bett und legst sie auf den Stuhl, setzt Dich obendrauf und freust Dich über die passende Sitzhöhe. Du öffnest den PC und fängst an zu schreiben. Der Ventilator lässt die Gardinen wehen, Spatzen zwitschern in den Ästen des Baumes vor deinem Fenster, ein Moped fährt vorbei. Menschen arbeiten, Menschen essen, Menschen spülen Geschirr. Du schreibst und wunderst Dich ob es jemand lesen wird. Ob es jemanden interessiert.

2 Antworten zu “Warteschlange an der Kasse

  1. *g* und nach wie vor gibt es Menschen, die gerne lesen, was Du schreibst, und sich für Dich und Dein Leben interessieren!

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