Angst

Der Frühling ist fast schon spürbar, das zarte Grün der Bäume und die vielen bunten Blumen lassen ahnen, dass es nicht mehr lange dauert bis es endlich wärmer wird. Noch wird in der Wettervorhersage Bodenfrost angekündigt und vom April weiß man schon aus Oma´s Erfahrungsschatz, dass es nochmal richtig kalt werden kann.

Meine Sehnsucht nach Wärme und ein bißchen mehr Gemütlichkeit draußen wächst täglich und ich freue mich schon drauf endlich die Winterjacke gegen ein luftiges T-Shirt einzutauschen. Aber ich kann mich gar nicht beschweren, denn schließlich war ich ja dieses Frühjahr schon auf Reise und hab mir auch prompt meinen ersten satten Sonnenbrand eingefangen. Ich war im Meer baden und habe angenehme Temperaturen genossen.

Ein 4 wöchiges Ausbrechen aus der gewohnten deutschen Umgebung, hinein in unbekannte Kulturen und fremde Sitten. Jordanien, Israel und Ägypten sind wunderschöne Länder. Doch warum heißt die Überschrift zum heutigen Blog dann bitte Angst??

Gute Frage!

Heute möchte ich mal darüber berichten, wovor ich Angst habe. So allgemein im Leben, und auch wenn ich unterwegs bin. Denn diese Frage höre ich in letzter Zeit ziemlich oft. Und das macht mich nachdenklich. Es gibt Freunde, die mir sagen, dass sie um mich Angst haben oder sich Sorgen machen, wenn ich so unkonventionell reise und auch Länder auf meiner Liste stehen habe, die nicht wegen ihrer Sicherheit speziell für alleinreisende weiße Frauen bekannt sind. Andere wiederum sagen mit einem breiten Lachen im Gesicht, dass ich ja sowieso vor gar nichts Angst hätte.

Nun, da ist bei beiden viel Gesprächspotential!
Ich fühle mich sehr wertgeschätzt, wenn ich weiß, dass sich jemand Sorgen um mich macht, denn das bedeutet ich habe Freunde die an mich denken und um mein Wohlergehen bemüht sind. Im englischen sagt man „they care for me“. Es bestätigt eine Freundschaft ungemein, wenn man sich umeinander sorgt. Es gibt Verbundenheit und auch eine gewisse Verbindlichkeit, denn es könnte ja im anderen Extremfall auch so sein, dass es egal ist was mir passiert. Und das gilt nicht nur wenn ich auf Reisen bin.
So eine Aussage sagt auch viel über den aus, der sie macht. Mir bedeutet das viel! Es berührt mich an einer Stelle tief in meinem Herzen und es wird warm.

Anders ist es allerdings, wenn Sorge zu groß wird und unbegründet ist. Dann kann es erdrückend sein. Das ist nicht so schön.

In den Augen einiger bin ich eine furchtbar furchtlose Verrückte, die sich auf jeden Blödsinn und jedes Risiko einläßt. Tja, da muß ich Euch leider enttäuschen 🙂
Denn das stimmt nicht!
Es ist nur so, dass ich ein großes Vertrauen in „das Gute“ im Menschen habe und das mir auch bisher noch nichts wirklich Traumatisches passiert ist, ganz ehrlich. Und ein bißchen Drama haben und brauchen wir schließlich alle im Leben.
Ja, es gab brenzlige Situationen, ja, oft sind Umstände nicht ungefährlich, ja, man kann nie wissen wie fremde Menschen, ihre Motive und Gedanken wirklich sind. Aber ich habe ein kleines bißchen Erfahrung und auch Instinkt und Bauchgefühl. Wenn ich Situationen als heikel einschätze und merke, dass was faul ist, dann laß ich da auch die Finger davon.
Es stimmt das ich nicht so große Angst vor physischer Gewalt oder dem Tod habe, vor Unfällen, vor Höhen, oder Tiefen, davor das mir was passieren wird.


Ich klettere gerne und tauche gerne, ich bin oft sogar auf der Suche nach ein bißchen physisch bedingtem Nervenkitzel, nach dem Adrenalinkick oder Dopaminausschüttung. Fallschirmspringen, schnelle Autos, snowboarden… all solche Dinge.
Aber es stimmt nicht, dass ich völlig furchtlos bin. (Vielleicht aber wirklich ein bißchen verrückt ^^)

Die Ängste, die mich teilweise völlig lahmlegen und entkräften, sind an ganz anderen Stellen verankert. Ganz tief in meinem Kopf und Herz, da wo ich kein Vertrauen gelernt habe. Und wenn diese Ängste zu groß werden, fühle ich mich winzig klein und kann mich nicht mehr bewegen. Wie eine Maus, die einer Schlange in die Augen schaut und instinktiv weiß, dass sie gleich tot sein wird. Unfähig sich zu bewegen, völlig steif und unfähig.

Ich habe Angst davor verlassen zu werden.
Ich habe Angst davor allein dazustehen.
Ich habe Angst davor zu versagen.
Ich habe Angst davor nicht gut genug zu sein.
Ich habe Angst davor als einsame Jungfer zu sterben, ohne Familie und Kinder.
Ich habe Angst vor Herausforderungen die zu groß scheinen.
Ich habe Angst davor mich auf Neues einzulassen, wenn ich dabei verbindlich sein muß.
Ich habe Angst davor falsche Entscheidungen zu treffen und vor den Konsequenzen.
Ich habe Angst davor das mein Leben völlig sinnlos ist.
Ich habe Angst davor das ich verbittert und grisgrämig werde.
Ich habe Angst davor wieder im Herzen verletzt zu werden.
Ich habe Angst davor nie den „richtigen Platz“ zu finden.
Ich habe Angst davor Chancen zu verpassen und Gaben nicht zu nutzen.
Ich habe Angst davor das die vielen Träume die ich noch habe zerplatzen.
Ich habe Angst davor krank zu sein.

Es gibt so vieles wovor ich mich fürchte.

Dieses Thema ist für mich gerade brandaktuell, weil ich gerade wiedergekommen bin aus einer unsicheren Reisegegend, aber noch viel mehr, weil vor mir das Ungewisse liegt.

Ich habe eine Entscheidung getroffen. Das hat lange gedauert und mich wirklich auch einiges gekostet.
Mein Herz zieht mich immer wieder raus in die Ferne, weit weg von Deutschland und meiner Heimat. Doch in den letzten Monaten habe ich Deutschland auf eine neue Weise lieb gewonnen und mir ist auch neu bewußt geworden wie genial es ist Freunde in der Nähe zu haben.

Also werde ich hier bleiben, hier in Deutschland. Puh ich habe es tatsächlich gesagt, ha, sogar geschrieben!

Ja, ich bleibe und habe auch einen Plan wie´s weitergeht.

Am 20. Mai werde ich ein Praktikum im Harz anfangen. Wen das näher interessiert, der kann gerne auf der Homepage von ERLEBNISTAGE nachlesen, um was es geht.

Und im Anschluß daran möchte ich meiner tatsächlichen Heimat wieder näher sein und zurück nach Thüringen gehen.
Weil ich auch meinen gelernten Beruf, Krankenschwester, nicht mehr machen mag und viel lieber mit gesunden und jungen Menschen arbeiten möchte, werde ich noch einen zweiten Versuch starten, zu studieren. Im wunderschönen Erfurt.
Ich freue mich auf Erfurt und auf einen neue Wohnung, aber ich hab auch solche Angst schon wieder zu scheitern. Es wird alles ungewiss sein, neu und völlig ungewohnt. Sowas kann ich nicht gut. Es wird eine große Herausforderung sein und ich bin doch schon so alt.
Es fühlt sich ein bißchen so an wie schwimmen lernen. Kalt und unsicher. Trägt mich das Wasser wirklich?? Was wenn ich untergehe und ertrinke? Kann mich dann jemand retten?

Ich habe Angst. Und diesmal sage ich nicht, dass es aufregend ist und ich gespannt bin, denn diesmal fürchte ich mich vor noch einem gescheiterten Neuanfang. Denn ich sehne mich nicht nur nach Wärme, sondern auch nach einem zu Hause.
Ich sehne mich danach anzukommen.

Suse, heute mal ganz ehrlich.

6 Antworten zu “Angst

  1. Sehr gut. Es ist nicht immer einfach, einen spezielleren Weg zu gehen… Reisen ist großartig, doch manchmal ist es Zeit nach Hause zu kommen – und erstmal zu bleiben.
    So auch bei mir gerade.
    Wir alle haben Ängste. Du lässt dich nicht lähmen, sondern tust etwas neues. Damit schlägst du der Angst ein Schnippchen, das ist super… Viel Spaß dabei!

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  2. Sehr schön formuliert. Wie immer! 🙂
    Ja, bei dem Titel wurde ich wirklich neugierig und habe dein Blog wieder einmal gelesen.
    Ich vermute sehr vielen Menschen, mich definitiv eingeschlossen, können genau das bestätigen: Jede Deiner Ängste teile ich.
    Mut ist eine sehr schöne Sache und ich freue mich, dass er Dir zur Seite steht!
    Ich drücke Dir die Daumen, dass Du ankommst!
    Alles alles Liebe und Gute! Ich denke an Dich!
    Tina

    Gefällt 1 Person

  3. Du bist immer in meinem Herzen, Suse-Schmuse.Halt durch, auch wenn es mal mehr mit der Angst ist, das gehört zum menschlichen Dasein hier auf Erden dazu, aber ich kenn da ein, der die Angst überwunden hat!
    Dicke Umarmung, wir 3 freun uns auf dein baldigen Besuch!

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  4. Ich hab auch ganz oft Angst, liebe Suse, da bist du nicht allein!! Ich schicke dir ganz viele wärmende Frühlingsstrahlen und wünsche dir eine tolle Zeit im Harz! Drück dich 🙂 Nora

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