Atemlos durch die Nacht

oder: „wie ein kleines Baby unser Leben komplett verändert hat“

Der Titel des heutigen Blogeintrags beschreibt ziemlich genau wie die letzten 6 Wochen für mich ausgesehen haben. Ich bin die meiste Zeit ziemlich viel wach und das meistens nachts.

Aber erst einmal wünsche ich uns allen fröhliche Weihnachten!

Heute gibt es nur einen relativ kurzes update hier, aber ich hatte doch versprochen, dass ich von der Ankunft das Königskindes berichten werde. Und welcher Anlaß ist dafür besser geeignet als Weihnachten? Heute feiern wir schließlich die Geburt des Königs! Das ist es doch worum es an Weihnachten geht.

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Unser süßer Sohn Philemon ist am 16. November mit 3935 gramm Gewicht und 53 cm Körperlänge geboren worden. Naja, besser gesagt wurde er per Kaiserschnitt aus meinem Bauch raus in einen kalten OP Saal hinein geholt. Die erhoffte Traumgeburt verlief doch nicht so reibungslos und traumhaft wie gedacht. 32 Stunden nachdem die Fruchtblase gerissen ist und nach 13 Stunden Wehen am Stück kam der Geburtsvorgang zum Stillstand und die Ärzte entschieden einen Kaiserschnitt zu machen, um das Kind nicht noch weiter zu stressen und zu gefährden. Die Herztöne von Philemon wurden zweimal drastisch schwächer und das Fruchtwasser war grün. Die Zeit zwischen dem reißen der Fruchtblase und dem Moment bis er dann tatsächlich auf der Welt war betrug 34 Stunden. In dieser langen Zeit hat sich der kleine Körper eine Infektion zugezogen, die auf der Neugeborenen-Intensivstation mit Antibiotikainfusionen behandelt werden mußte. Dementsprechend waren wir alle völlig durcheinander, unsicher, verletzt, traurig, besorgt und einfach traumatisiert. Das stillen hat dann in diesem Umfeld auch nicht direkt von Anfang an so gut funktioniert. Alles in allem war es eine heftige Erfahrung für uns alle drei und wir haben lange gebraucht um zur Ruhe zu kommen, uns zu sortieren und zu erholen. Ich hatte außerdem eine besonders lange Zeit mit dem Baby Blues zu tun und saß oft einfach weinend mit dem Baby im Arm da. Die komplette Umstellung von schwanger sein auf Mutter sein hat mich ziemlich durchgeschüttelt. Aber ich bin sehr dankbar dafür, dass es die moderne Medizin gibt. Ich mag mir gar nicht vorstellen wie es ohne dies ausgegangen wäre.

Jetzt haben wir uns schon etwas mehr als 5 Wochen lang aneinander gewöhnen können und ich kann wirklich sagen das ich meinen Sohn sehr mag. Es ist ehrlich gesagt nicht immer leicht, sondern oft auch sehr herausfordernd für mich die Tage gut zu überstehen, nach so einem holprigen Anfang und mit vielen schlaflosen Nächten. Ich höre aber von allen Seiten das es besser wird.

Vielen Dank an jeden, der mit uns gebetet hat, vielen Dank für jede Ermutigung und jeden Besuch, für jede Karte, jeden Brief, jedes Päckchen und jedes verständnisvolle und aufbauende Wort.

Ein neugeborenes Kind in der Vorweihnachtszeit zu haben, hat mich die Bedeutung von Weihnachten noch einmal ganz neu verstehen und durchdenken lassen. Ich hab vorher noch nie darüber nachgedacht wie es Maria wohl ging. Hat Josef instinktiv gewußt wie er ihr bei der Geburt helfen muss? Hatte sie starke Schmerzen bei der Enbindung? Wie hat das alles so funktioniert in einem STALL (Stichwort Hygiene)? War sie nicht hinterher völlig fertig und erschlagen? War sie frustriert darüber das der Milcheinschuß nicht gleich gekommen ist? Wie hat sie überlebt ohne Waschmaschiene und Windeln?? Aber viel wichtiger noch: Wußte Sie, dass dieses Baby der Retter der Welt war? Wußte Sie, dass er der Sohn des allmächtigen Gottes und Gott selbst war? Wie geht man mit so einer großen Berufung um und wie kann man entspannt Mutter sein wenn man weiß wen man da zum Sohn hat? Was wird Philemon später einmal in seinem Leben erleben und wie kann ich ihm eine gute Mutter sein, die ihm die größte Entfaltungsmöglichkeit überhaupt biete und doch auch gesunde Grenzen setzt? So viele Fragen und neue Denkansätze.

Wenn heute Abend ganz Deutschland in den Kirchen des Landes die Geschichte hören wird, die mit den Worten beginnt “ Es begab sich aber zu der Zeit…“ dann denkt bestimmt niemand and Maria als gestresste Mutter eines Schreibabys was alle 2 Stunden essen will und nicht aufhört zu schreien bis es stundenlang herumgetragen wird. Vielleicht war Jesus ja auch total entspannt als Baby, so wie Philemon, der einfach nur gerne ganz nah bei seiner Mama sein will und ein bißchen quängelt wenn er Hunger hat, aber nie so richtig brüllt. Wie auch immer Jesus als Baby gewesen ist, er hat definitiv mit seiner Geburt mein Leben verändert. Und das hat Philemon auch getan. Denn jetzt verstehe ich auch das Konzept von bedingungsloser Liebe auf einmal. Wennman selbst schon gar nicht mehr kann, weil man zu wenig oder gar nicht geschlafen hat, wenn man keine Kraft mehr hat und sich eine Pause vom stillen wünscht, dann kann man diesem kleinen Menschen doch nicht böse sein, weil man es liebt! Ganz egal wieviele Blähungen quer sitzen und weh tun, ganz egal wieviel Milch unverdaut wieder auf meinem T-Shirt landet, ganz egal wie sehr die Brustwarzen brennen, ganz egal wie oft die Waschmaschiene läuft!! Ganz egal. Man liebt plötzlich bedingungslos. Und so ist Gottes Liebe zu mir, zu Dir, zu uns allen. Ganz egal wieviel Mist wir machen! Deshalb ist Jesus geboren! Deshalb ist Weihnachten.

 

In diesem Sinne! Fröhliche Weihnachten.

 

 

 

 

 

 

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